Heft 4/1999
Tendenzen im Zuschauerverhalten
Fernsehgewohnheiten und Programmbewertungen 1998
Kurztext
Videonutzung auf dem Rückzug?
Die Entwicklung des Mediums Video in Deutschland 1989 bis 1998
Kurztext
Was Kinder sehen
Eine Analyse der Fernsehnutzung 1998 von Drei- bis 13jährigen
Kurztext
Mediennutzung von Frauen und Männern
Daten zur geschlechtsspezifischen Nutzung von Hörfunk, Fernsehen und Internet/Online 1998
Kurztext
Mediennutzung der ab 50jährigen
Daten zur Nutzung elektronischer Medien und Tageszeitungen 1998
Kurztext
Editorial
Je älter die Bundesbürger sind, desto länger sehen sie fern, wobei die tägliche Sehdauer bei allen in diesem Heft vorgestellten Altersgruppen 1998 im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen ist. Während Kinder von drei bis 13 Jahren durchschnittlich 99 Minuten pro Tag vor den Bildschirmen verbringen, sind es bei den Zuschauern ab 14 Jahren 201 Minuten, bei den ab 50jährigen 245 Minuten, und die Spitzengruppe der ab 65jährigen sieht täglich rund 265 Minuten fern.
Insgesamt konnte das Erste Programm der ARD mit einem Marktanteil von 15,4 Prozent 1998 die Marktführerschaft übernehmen, gefolgt von RTL, ZDF, den Dritten Programmen und SAT.1. Wie Wolfgang Darschin in seiner Analyse zeigt, ist der Erfolg des Ersten keineswegs nur auf die Übertragung der Spiele zur Fußball-WM zurückzuführen, sondern hängt auch sehr stark damit zusammen, daß sich die Bundesbürger bevorzugt bei den öffentlich-rechtlichen Programmen informieren, wobei die "Tagesschau" die bei weitem meistgenutzte Informationssendung ist.
Erfolgreich im Markt positioniert hat sich auch der öffentlich-rechtliche Kinderkanal, der - so Sabine Feierabend, Walter Klingler und Erk Simon in ihrem Beitrag zur Fernsehnutzung von Kindern - in seiner Sendezeit von 6.00 bis 19.00 Uhr hinter Super RTL die zweite Stelle in der Gunst der drei- bis 13jährigen Kinder einnimmt.
Aktuelle Mediennutzungsdaten von Frauen und Männern, die Birgit van Eimeren und Ekkehardt Oehmichen vorstellen, belegen, daß Unterschiede zwischen den Geschlechtern offensichtlich den Alltagsbedingungen zuzuschreiben sind. Denn die Hörfunk- und Fernsehnutzung jüngerer, berufstätiger Frauen und Männer ist sich sehr ähnlich. Zwar haben Frauen weniger Gelegenheit zum Internetzugang, sofern sie aber Onlinemedien nutzen, sind in den Hauptanwendungen kaum Differenzen zum Nutzungsverhalten von Männern festzustellen.
Schwierig ist die Integration älterer Menschen bezüglich der Nutzung von Onlinemedien. Während die Gruppe der größtenteils berufstätigen 50- bis 59jährigen - so Andreas Grajczyk und Walter Klingler - hiervon weniger betroffen ist, sind die ab 60jährigen weitgehend von den Onlinemedien ausgeschlossen. Dagegen sind die klassischen Medien Hörfunk, Tageszeitung und vor allem (öffentlich-rechtliches) Fernsehen fest im Alltag älterer Menschen verankert.
Eine Sättigungsgrenze scheint inzwischen beim Medium Video erreicht zu sein. Wie Oliver Turecek u.a. ausführen, erhöhte sich bei einer Abdeckung von rund zwei Dritteln aller bundesdeutschen Haushalte die Anzahl von Videorecordern seit 1995 nur geringfügig, und die tägliche Sehdauer liegt nicht zuletzt wegen der starken Konkurrenz der zahlreichen Fernsehprogramme bei nur knapp zehn Minuten.

