MPASS

Heft 12/2004

Marie-Luise Kiefer:
20 Jahre privater Rundfunk
Versuch einer Bestandsaufnahme aus medienökonomischer Perspektive
Volltext (pdf) | Kurztext
Horst Stipp:
Die Fernsehentwicklung in den USA - 10 Jahre danach
Was aus einer Prognose aus dem Jahr 1994 wurde
Volltext (pdf) | Kurztext
Ulrich Pätzold/Horst Röper:
Fernsehproduktionsmarkt Deutschland 2001 bis 2002
Fortschreibung der FORMATT-Studie über Konzentration und regionale Schwerpunkte der Auftragsproduktionsbranche
Volltext (pdf) | Kurztext
Maria Gerhards/Walter Klingler:
Programmangebote und Spartennutzung im Fernsehen 2003
Analyse auf Basis der AGF/GfK-Programmcodierung
Volltext (pdf) | Kurztext
ARD-Forschungsdienst:
Medien- und Programmqualität aus Zuschauersicht
Volltext (pdf) | Kurztext
Zusammenfassungen
Volltext (pdf)

Editorial

Zwanzig Jahre nach dem "Urknall" in der Medienpolitik, dem Start des ersten privaten Fernsehkanals in Deutschland, zieht Marie Luise Kiefer in ihrem Beitrag eine Zwischenbilanz aus medienökonomischer Sicht. Demnach war die Deregulierung des Rundfunks zu Beginn der 1980er Jahre Teil einer neoliberalen Antwort auf die Krise des Wirtschaftssystems. Gewonnen haben bei dieser Entwicklung weder die Politik - die sich in Gestalt der damaligen Regierung Kohl bei Einführung des privaten Rundfunks einen Vorteil versprach, jetzt aber eine weitgehende Entpolitisierung der privaten Programme konstatieren muss - noch die Zuschauer. Am ehesten verbuchen die Werbeindustrie und die Produktionswirtschaft einen Gewinn aus 20 Jahren dualem System. Im Gegensatz zu den USA können Deutschland und Europa immerhin noch auf einen funktionierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk bauen.

Ebenfalls einen Rückblick unternimmt Horst Stipp, der eine eigene Prognose aus dem Jahr 1994 zur Entwicklung des Fernsehens einer kritischen Analyse unterzieht und feststellt, dass sich das Fernsehverhalten und die Präferenzen der Zuschauer langsamer entwickelten als von vielen Experten damals erwartet. DVD-Player und elektronischer Programmführer seien kaum vorhersagbare Erfolge geworden, doch die Nachfrage nach Interaktivität sei weit überschätzt worden. Wesentliche Schwäche vieler Prognosen sei die Fokussierung auf technische Machbarkeit statt auf Bedürfnisse und Interessen der Nutzer.

Der von Maria Gerhards und Walter Klingler vorgestellte Spartenbericht zeigt, dass die Verteilung der Angebote und der Nutzung in den Programmsparten des deutschen Fernsehens 2003 im Vergleich zu den Vorjahren stabil geblieben ist. Der Bereich Information/Infotainment überwiegt im Angebot und wird von den öffentlich-rechtlichen Programmen dominiert. Die Nutzung dieser Angebote ist in den vergangenen fünf Jahren gestiegen.

Mittlerweile spielen die so genannten Auftragsproduktionen eine wichtige Rolle für die Programme der Fernsehsender. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Ergebnissen einer Langzeitstudie des Dortmunder FORMATT-Instituts wider, die Ulrich Pätzold und Horst Röper vorstellen. Die Studie veranschaulicht programmliche Trends, Stärken und Schwächen einzelner Produktionsstandorte wie auch die programmwirtschaftlichen Potenziale in Deutschland. Gerade die Aufträge der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bleiben unverzichtbar, um das Qualitätsniveau in der Produktionsbranche zu sichern.