MPASS

Heft 3/2007

Regine Hammeran/Deniz Baspinar/Erk Simon:
Selbstbild und Mediennutzung junger Erwachsener mit türkischer Herkunft
Ergebnisse einer qualitativen Studie
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Joachim Trebbe/Hans-Jürgen Weiß:
Integration als Mediennutzungsmotiv?
Eine Typologie junger türkischer Erwachsener in Nordrhein-Westfalen
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Erk Simon/Gerhard Kloppenburg:
Das Fernsehpublikum türkischer Herkunft - Fernsehnutzung, Einstellungen und Programmerwartungen
Ergebnisse einer Repräsentativbefragung in Nordrhein-Westfalen
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Thomas Windgasse:
Die Radionutzung von Migranten im Kontext anderer Medien
Ergebnisse einer Repräsentativstudie in Nordrhein-Westfalen
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Statistik
Ausländische Bevölkerung am 31.12.2006 nach Geschlecht für die am häufigsten vertretenen Staatsangehörigkeiten
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Zusammenfassungen
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Editorial

Migration und kulturübergreifendes Zusammenleben waren die dominierenden Themen unter den diesjährigen Gewinnern der Grimme-Preise. Die prämierten Spielfilme "Meine verrückte türkische Hochzeit" (ProSieben), "Wut" (WDR) und die ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" zeugen davon, dass das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund ein wichtiges Thema im Fernsehen ist. Wie aber nutzen die Mitbürger ausländischer Herkunft die Medien?

Dieses Heft berichtet in mehreren Beiträgen über eine WDR-Studie, die Fernsehnutzung, Einstellungen und Integration junger Erwachsener türkischer Herkunft in Nordrhein-Westfalen untersuchte. In einer qualitativen Teilstudie, die Regine Hammeran, Deniz Baspinar und Erk Simon vorstellen, zu Lebenssituation und Selbstbild der Migranten zeigen sich starke Unterschiede im Selbstverständnis zwischen den Altersgruppen. Die 30- bis 49-Jährigen fühlen sich in Deutschland recht gut integriert, ohne ihre türkischen Wurzeln zu leugnen. Die 14- bis 29-Jährigen, die fast ausnahmslos in Deutschland geboren sind, bekennen sich dagegen offensiv zum "Türkisch-Sein", sie definieren sich stark über Herkunft und Religion. Die Darstellung von Türken im (deutschen) Fernsehen sehen die Befragten oft als eindimensional und klischeebeladen, kritisiert wird auch die geringe Präsenz türkischer Gesichter.

Ist Integration ein Mediennutzungsmotiv? Joachim Trebbe und Hans-Jürgen Weiß haben in einer repräsentativen Befragung 14- bis 49-jähriger Erwachsener türkischer Herkunft drei Integrationstypen ermittelt, von denen zwei als hoch integriert gelten können. Ein dritter Typus - etwa ein Viertel der Stichprobe - ist dagegen eher schwach integriert. Es zeigt sich, dass Integration nicht mit der Aufgabe der Herkunftskultur, sondern mit ihrer Beibehaltung und Pflege verbunden ist. Medien, insbesondere das Fernsehen, sind ein zentraler Bestandteil des kulturellen Alltags der Befragten. Ein Integrationswerkzeug sind sie jedoch nicht.

Welche TV-Programme nutzen 14- bis 49-jährige türkischstämmige Zuschauer? Wie Erk Simon und Gerhard Kloppenburg berichten, schalten sie deutsches und türkisches Fernsehen gleichermaßen ein. Im türkischen Fernsehen werden vor allem Serien und Musiksendungen gesehen, während im deutschen Fernsehen ein breiteres Genrespektrum genutzt wird. Die deutschen TV-Programme werden als sachlicher und distanzierter, aber auch als glaubwürdiger, seriöser und objektiver in der Berichterstattung erlebt. Zum Thema Radio stellt Thomas Windgasse die Befunde zweier Repräsentativbefragungen des WDR bei verschiedenen Migrantengruppen in Nordrhein-Westfalen vor. Unter den fünf meist gehörten Radioprogrammen rangieren bei allen Nationalitäten der Lokalfunk NRW, Eins Live und WDR 2, ferner ein muttersprachiges Angebot sowie WDR 4 und/oder das vom WDR in Kooperation mit Radio Bremen und RBB Radiomultikulti produzierte Integrationsprogramm Funkhaus Europa.