AS&S Radio

Nutzung und Wirkung politischer Kommunikation

ARD-Forschungsdienst

 

 

 

 

 

Seit der berühmten “People’s Choice”-Studie von Paul F. Lazarsfeld aus den 1940er Jahren hat das Interesse an der Wirkung von politischer Kommunikation kaum nachgelassen. Das Augenmerk richtet sich dabei zunehmend auf Nutzungs- und Wirkprozesse in den komplexer werdenden Medienumgebungen.

So nutzen die Menschen sowohl die traditionellen als auch die neuen digitalen Möglichkeiten, um sich über Politik zu informieren und sich an Politik zu beteiligen. Die Diversifizierung der politischen Informationsangebote führte aber dazu, dass die Nachrichtennutzung stärker von individuellen Motivlagen, wie dem politischen Interesse, bestimmt werden. Dies äußert sich zum Beispiel in einer deutlicheren Polarisierung in Nachrichtennutzer und Nachrichtenvermeider. Die Zuwendung zur politischen Berichterstattung korrespondiert darüber hinaus mit dem Vertrauen, das die Rezipienten in die vermittelnden Personen und Institutionen haben. Neue Angebote, die Politik nicht mehr nur über die traditionellen Formate vermitteln, sondern mit mehr oder weniger großem Unterhaltungsanteil, scheinen zu größerem Misstrauen in die Politik und ihre Akteure beizutragen.

Die Wirkungsanalysen politischer Information bzw. Kommunikation zeigen, dass die Effekte als Ergebnis eines Interaktionsprozesses zwischen inhaltlichen Merkmalen der Kommunikation und Wahrnehmungs-, Verarbeitungs- und Interpretationsprozessen der Rezipienten gesehen werden können. Relevante Einflussfaktoren sind hierbei Negativität in der Berichterstattung, die Nachrichtenstrategie, die eher wettbewerbsorientiert („strategisch“) oder eher problemorientiert („substanziell“) sein kann, oder die physische Attraktivität der Akteure. In hoch involvierenden Kontexten (z.B. Fernsehdebatten) zählten für die Zuschauer eher inhaltliche Argumente als personenbezogene Faktoren. Die Wahrnehmung von Einflussnahme der Politik auf den Journalismus beeinflusst dagegen das Vertrauen der Journalisten in die Politik.

MP 1/2013, S. 50-56


Volltext (pdf)