MPASS

Heft 4/2010

Udo Michael Krüger:
Factual Entertainment - Fernsehunterhaltung im Wandel
Programmanalyse 2009 - Teil 1: Sparten und Formen
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Sabine Feierabend/Walter Klingler:
Was Kinder sehen
Eine Analyse der Fernsehnutzung Drei- bis 13-Jähriger 2009
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Walter Klingler/Albrecht Kutteroff:
Radio der Zukunft
Forschungsergebnisse zu Chancen des digitalen Hörfunks - Der Stuttgarter Test
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Beate Frees/Nicole Oberg/Daniel Schmeißer:
Innovative Ansätze in der Medienforschung
Einsatz kollaborativer Forschungsblogs am Beispiel von ZDF-Wahlwatching 2009
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Zusammenfassungen
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Editorial

Im deutschen Fernsehen hat der Anteil an so genannten Hybridformaten zugenommen, dazu gehören vor allem Doku-Soap, Dokutainment, Doku-Drama oder Real-Life-TV. Aufgrund der Unterhaltungsfunktion dieser Formate wurden sie in der  Programmanalyse 2009 als Factual Entertainment innerhalb der Programmkategorie Unterhaltung vercodet. Wie Udo Michael Krüger in seinem Beitrag berichtet, verringern sich dadurch die Informationsanteile insbesondere bei den privaten Programmen, die die meisten dieser Formate ausstrahlen. Insgesamt ist die Programmstruktur bei ARD und ZDF weiterhin sehr stabil, bei RTL, Sat.1 und ProSieben gab es Veränderungen im Wesentlichen im Unterhaltungsbereich.

Trotz der Konkurrenz von Computer und Internet hat das Fernsehen seine Stellung als Leitmedium selbst für ältere Kinder weiterhin behauptet. Dies belegen Sabine Feierabend und Walter Klingler anhand aktueller Zahlen der Fernsehforschung. Die Fernsehnutzung von Kindern (3 bis 13 Jahre) hat sich demnach 2009 nach einer Phase des Rückgangs wieder leicht erhöht und liegt nunmehr bei durchschnittlich 88 Minuten pro Tag. Marktführer bei den Drei- bis 13-Jährigen ist nach wie vor Super RTL, gefolgt vom öffentlich-rechtlichen KI.KA. Während der Primetime von 19.00 bis 21.00 Uhr hat KI.KA fast zu Super RTL aufgeschlossen.

In einer Kooperation zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk sowie der Landesmedienanstalt wurde in Baden-Württemberg ein großes Projekt zu den Entwicklungsmöglichkeiten des Radios realisiert. Walter Klingler und Albrecht Kutteroff präsentieren Ergebnisse dieses Projekts und gehen unter anderem der Frage nach: Kann Digitalradio den Nutzern einen Mehrwert bieten (Radio Plus)? Es zeigt sich, dass Radio Plus zu einem wichtigen Baustein in der Markenstrategie der Radioprogramme werden kann. Das lineare Programm bleibt jedoch unverzichtbar. Die Zahlungsbereitschaft der Nutzer für Zusatzangebote ist eher verhalten.

Das ZDF realisierte zur Bundestagswahl 2009 ein plattformübergreifendes Angebot „Wahlwatching 09“ (für Fernsehen, Web, Social Media, Mobile), das im Rahmen einer Begleitstudie auf seine Zuschauerwirkung hin evaluiert wurde. Im Zentrum der Forschung stand ein kollaboratives Instrument auf Basis eines Weblogs. Ein Mix aus synchroner und asynchroner Onlinekommunikation sowie aus Tagesumfragen, Tagebüchern und thematischen Foren lieferte facettenreiche Einblicke in die sich während des Wahlkampfs wandelnden Bedürfnisse und Anforderungen an mediale Angebote. Wie Beate Frees, Nicole Oberg und Daniel R. Schmeißer berichten, hat der neue Forschungsansatz auch Auswirkungen auf die Position der Forscher selbst: Das hohe Maß an Offenheit des Instruments führt zu einer Art „kontrolliertem Kontrollverlust“, die Trennung zwischen Analyse und Bewertung wird zunehmend aufgehoben.