MP 20/2025: Medien User Needs

Erk Simon/Kristina Schramm

Medien User Needs - Entwicklung eines Frameworks für die Analyse von Medienbedürfnissen

Kurz und knapp

  • Unterschiedliche Bedürfnisse sind für die Auswahl und Rezeption von Medien und ihren Angeboten entscheidend. Die vorliegende Studie identifiziert sechs kognitive und affektive Medien User Needs.
  • Für 85 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer ist das Bedürfnis nach Information am wichtigsten, gefolgt „Orientierung/Perspektiven“ (75 % Zustimmung) sowie „Abschalten/Zeitvertreib“ (75 %) und „Menschen/Emotionen“ (74 %).
  • Je nach Altersgruppen und Bildungshintergründen sind unterschiedliche User Needs besonders wichtig. Zudem gibt es bei gleichem User Need unterschiedliche Erwartungen an die Aufbereitung von Medieninhalten.
  • Die Medien User Needs bieten einen crossmedialen Bezugsrahmen für die Programmentwicklung und Portfoliosteuerung und können Optimierungspotenziale aufdecken.

Bedürfnisse beeinflussen die Auswahl und Nutzung von Medien und ihren Angeboten

Warum nutzen Menschen bestimmte Medien und ihre Angebote, andere aber nicht? Welche Bedürfnisse beeinflussen das Auswahlverfahren von Rezipientinnen und Rezipienten? Diese Fragen sind für die Programmentwicklung und Portfoliosteuerung von besonderer Relevanz. Angelehnt an den Uses-and-Gratifications-Ansatz, nach dem Menschen Medienangebote nutzen, um Bedürfnisse zu befriedigen, wurde mit den sogenannten Medien User Needs ein Framework  für die rezipientenorientierte Medienproduktion entwickelt.

In einer Pilotstudie des WDR wurden 2024 800 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren in Nordrhein-Westfalen (NRW) online gefragt, warum sie bestimmte Medien nutzen. In der sich anschließenden Angebotsstudie mit 3.700 Menschen (16-69 J., NRW) wurden sechs medienübergreifende Bedürfnis-Dimensionen, die Medien User Needs, ermittelt, die für die Medienauswahl und -nutzung wichtig sind.

Bedürfnis nach Information hat die höchste Relevanz

Von den sechs Medien User Needs hat das Bedürfnis nach Information mit 85 Prozent die größte Relevanz. Ebenfalls wichtig sind die Bedürfnisse „Orientierung/Perspektiven“ (75 %) - das den Wunsch nach Meinungsbildung, Wissenserweiterung und Denkanstößen umfasst das Verlangen nach Ablenkung („Abschalten/Zeitvertreib“, 75 %) sowie das Bedürfnis nach Spaß, Emotionen und Identifikation mit interessanten Menschen („Menschen/Emotionen“, 74 %). Während das Motiv „Heimat/Nähe“ vor allem für Ältere relevant ist, spielt der Wunsch nach sozialen Kontakten, Austausch und Selbstdarstellung („Interaktion/Verbindung“) bei Jüngeren eine wichtigere Rolle. Auch hinsichtlich unterschiedlicher Bildungshintergründe gibt es abweichende Gewichtungen der einzelnen User Needs bei der Auswahl von Medien bzw. deren Angeboten.

Anwendung der Ergebnisse im Bereich der Programmentwicklung und Portfoliosteuerung

Die medienübergreifenden Ergebnisse bieten eine Systematik für die Analyse und Anwendung von Medien User Needs zur Entwicklung von Medienangeboten, der Portfoliosteuerung oder der Ermittlung von Optimierungspotenzialen und Lücken innerhalb des Portfolios.

Bedingt durch technische Neuerungen wie KI und maschinelles Lernen, gesellschaftliche Trends und Segmentation von Zielgruppen, kann sich die Relevanz einzelner Medien User Needs ändern. Daher sollten sie in regelmäßigen Abständen überprüft werden, um Medienangebote kontinuierlich anzupassen.

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Medien User Neeeds - Framework für die nutzerorientierte Programmgestaltung

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