Was ist subjektiver Journalismus? Bedeutung und Relevanz für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags
Eine Analyse am Beispiel des ARD/ZDF-Content-Netzwerks funk
Kurz und knapp
• Subjektivität im Journalismus umfasst eine Vielzahl von Dimensionen. Die verschiedenen Bedeutungen der Begriffe „subjektiv“ und „objektiv“ lassen sich anhand von Gegensatzpaaren fassen.
• Der subjektive Journalismus will die schwer greifbaren „inneren“ Tatsachen wie Gefühle, Einstellungen oder Wahrnehmungen ergründen. Einzelfall und individuelle Perspektive der Beteiligten bilden den Ausgangspunkt, um unterschiedliche Lebenswelten und Erfahrungen sichtbar zu machen.
• Subjektiver und objektiver Journalismus leisten Unterschiedliches. Als sich einander ergänzende Wirklichkeitszugänge haben beide ihre Berechtigung.
• Der öffentlich-rechtliche Rundfunk erfüllt seinen im Medienstaatsvertrag definierten Auftrag arbeitsteilig mittels eines differenzierten Gesamtangebots, das auch subjektive journalistische Elemente umfassen kann.
Zehn Gegensatzpaare zur Beschreibung der Subjektivitätsdimensionen
Subjektiver und objektiver Journalismus leisten jeweils Unterschiedliches – beide Ansätze haben ihre Berechtigung als Wirklichkeitszugänge. Objektive und subjektive journalistische Formate können einander in einem Gesamtangebot ergänzen.
Die verschiedenen Bedeutungen der Begriffe „subjektiv“ und „objektiv“ im Kontext des Journalismus lassen sich mit Hilfe von zehn Gegensatzpaaren verdeutlichen und deskriptiv erfassen.
„Innere“ und „äußere“ Tatsachen
Ein Hauptunterschied in der grundsätzlichen Herangehensweise liegt zum Beispiel darin, dass der objektive Journalismus die „äußeren“, direkt wahrnehmbaren Tatsachen in den Blick nimmt. Der subjektive Journalismus hingegen versucht zu den schwer fassbaren „inneren“ Tatsachen wie Gefühlen, Einstellungen, Wahrnehmungen, Erfahrungen und Motiven vorzudringen.
Im Alltag begegnen einem oft hybride journalistische Darstellungsformen, die mit ihren Merkmalen auf mehreren Dimensionen verortet werden können. Sie lassen sich danach einstufen, ob sie mehr zur subjektiven oder objektiven Seite tendieren.
Neue Subjektivitätsdimension durch Digitalisierung – Lebenswirklichkeit abbilden
Durch die Digitalisierung sind neue Subjektivitätsdimensionen hinzugekommen: Soziale Medien besitzen eine hohe Affinität zum Subjektiven. Interaktive Communitys können zudem an die Stelle der asymmetrischen Massenkommunikation treten.
Inwieweit eignen sich Formen des subjektiven Journalismus für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags? Aufgabe des ARD/ZDF-Content-Netzwerkes funk ist es, - wie im Medienstaatsvertrag festgehalten - die Lebenswirklichkeit und die Interessen junger Menschen in den Mittelpunkt seines Angebots zu stellen. funk verbreitet seine Inhalte in den Mediatheken, via Drittplattformen und über die eigene Webseite. Angebote auf Social-Media – als einem wichtigen Ort, wo sich die Zielgruppe von funk aufhält und den das Content-Netzwerk bespielt – begünstigen grundsätzlich subjektive Kommunikation in sämtlichen Dimensionen.
Vielfaltssteigerung im Gesamtbild im Rahmen eines differenzierten Gesamtangebots
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk erfüllt seinen Auftrag arbeitsteilig im Rahmen eines differenzierten Gesamtangebots, das auch subjektive journalistische Elemente umfassen kann. Diese können Einblicke in unbekannte Lebenswelten und Erfahrungsräume eröffnen und so – in der Gesamtschau – zu einer Vielfaltssteigerung beitragen, selbst wenn in einer einzelnen Reportage nur eine Perspektive wiedergegeben wird. Außerdem können zum Beispiel bis dato übersehene und benachteiligte Gruppen und Stimmen in solchen Formaten Gehör finden.
Herangehensweise klar gegenüber den Nutzerinnen und Nutzern kommunizieren
Christoph Neuberger und Anna-Theresa Mayer plädieren in ihrem Beitrag unter anderem dafür, kenntlich zu machen, wie ein Format in den Subjektivitäts- und Objektivitätsdimensionen einzuordnen ist – zum Beispiel in Form einer Selbstbeschreibung des Formats oder durch Offenlegung der Kriterien, die bei der Auswahl der vorkommenden Protagonistinnen und Protagonisten oder der vorgestellten Einzelfälle, angewandt wurden.
KI-Hinweis: Bei der Erstellung der Texte wurde keine Künstliche Intelligenz (KI) verwendet.
Anhang
MP-Spotlight
Zehn Bedeutungsdimensionen des subjektiven Journalismus
Volltext MP 3/2026
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