Zehn Bedeutungsdimensionen von Subjektivität im Journalismus

Bedeutung und Relevanz des subjektiven Journalismus für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Eine Analyse am Beispiel des ARD/ZDF-Content-Netzwerks funk 

Was ist unter Subjektivität zu verstehen?

Die Digitalisierung und sich wandelnde Publikumserwartungen haben dafür gesorgt, dass in den vergangenen Jahren etliche neue Formate entstanden sind, die dem subjektiven Journalismus zuzurechnen sind. Der Begriff „Subjektivität“ kommt in wissenschaftlichen und öffentlichen Debatten über den Journalismus in unterschiedlichen Bedeutungen vor.  Dabei wird oft nicht immer klar, was genau in diesem Kontext mit „subjektiv“ gemeint ist.

Bei journalistischen Darstellungsformen wird häufig zwischen „objektiven“, also tatsachenbetonten, und „subjektiven“, das heißt erzählenden, meinungsbetonten differenziert. Aus einer allgemeinen, philosophischen Sicht wird unter „subjektiv“ – wie es Christoph Neuberger und Anna-Theresa Mayer zusammenfassend formulieren – die jeweils individuelle, persönliche Sicht auf die Welt verstanden, unter „objektiv“ eine kollektive, das heißt intersubjektiv abgestimmte, geprüfte und geteilte Sicht. Woran bemisst sich aber, was als „objektiv“ gilt, was eine gemeinsame Weltsicht darstellt?

Zum einen kann eine solche Objektivität aus dem öffentlichen, im Idealfall deliberativen, Diskurs entstehen, in den die individuellen (subjektiven) Perspektiven einfließen und im Rahmen dessen diese kritisch geprüft werden. Zum anderen wird die Objektivität von Nachrichten durch die Bindung an Normen garantiert, die der Journalismus als Berufsgruppe verbindlich für sich definiert hat. Dazu zählen beispielsweise das Überprüfen einer Behauptung durch eine zweite, unabhängige Quelle oder die Offenlegung von Quellen, um weitere Kontrollen und Nachrecherchen zu ermöglichen.

Subjektiver und objektiver Journalismus haben beide ihre Berechtigung, denn sie leisten Unterschiedliches. Da sie auf verschiedene Art und Weise die Wirklichkeit abbilden, können sie sich ergänzen.

Zehn Bedeutungsdimensionen von Subjektivität im journalistischen Kontext

Anhand von zehn Bedeutungsdimensionen, die jeweils subjektive und objektive Kriterien gegenüberstellen, ist es möglich, sich dem Thema Subjektivität im Journalismus zu nähern.

Der subjektive Blickwinkel entsteht – so Neuberger und Mayer – aus persönlicher Erfahrung und Betroffenheit, zeichnet sich durch Spontanität und Authentizität aus. Die „Objektivierung“, also der Abgleich mit anderen subjektiven Sichtweisen und die kritische Prüfung anhand anerkannter epistemischer und normativer Standards, kann im öffentlichen Diskurs stattfinden (Dimension 1).

Es wird zwischen zwei Arten von Aussagen unterschieden: (Tatsachen-)Behauptungen und Bewertungen. Für die journalistischen Formen Nachricht und Bericht, die tatsachenbetont sind, gilt das Gebot, Nachricht und Meinung zu trennen. Sie dürfen zudem keine Wertungen enthalten. Viele Darstellungsformen stellen allerdings auch Mischformen dar, die sowohl Behauptungen als auch Wertungen beinhalten können (Dimension 2).

 „Äußere“ versus „innere“ Tatsachen - weitere Dimensionen durch Digitalisierung 

Der objektive (Nachrichten-)Journalismus widmet sich den „äußeren“ Tatsachen, die direkt wahrnehmbar sind, und nimmt eine neutrale und distanzierte Position ein. Der subjektive Journalismus wiederum will den schwer greifbaren „inneren“ Tatsachen wie Gefühlen, Einstellungen, Wahrnehmungen, Erfahrungen und Motiven habhaft werden. Diese Form des Journalismus nimmt die individuellen Perspektiven in den Blick, es können zum Beispiel auch Formen der teilnehmenden Beobachtung angewandt werden. Entsprechend ist der Ausgangspunkt des subjektiven Journalismus zumeist der Einzelfall. Darauf aufbauend kann eine Verallgemeinerung quantitativ (zum Beispiel durch statistische Auswertungen im Datenjournalismus) oder qualitativ (durch die Typisierung von Fällen) stattfinden (Dimensionen 3, 4 und 5).

Der Trend zur personalisierten Darstellung wird vor allem durch Soziale Medien verstärkt. Und auch die Auswahl und Nutzung wird individueller oder von Algorithmen geprägt. Zudem treten interaktive Communitys vermehrt an die Stelle der asymmetrischen Massenkommunikation (Dimensionen 9 und 10).

Journalistische Darstellungsformen sind oft mehrdimensional

Journalistische Darstellungsformen umfassen Merkmale in mehreren der von Neuberger und Mayer beschriebenen Dimensionen und lassen sich danach eingruppieren, ob sie stärker zur subjektiven oder objektiven Seite tendieren. 

Die Zusammenfassung des Beitrags „Was ist subjektiver Journalismus? Bedeutung und Relevanz für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Eine Analyse am Beispiel des ARD/ZDF-Content-Netzwerks funk“ von Christoph Neuberger und Anna-Theresa Mayer finden Sie hier:

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